Treffpunkt unterwegs sein

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Dahin reisen, wo Migranten herkommen

Peaks of Balkan

Es gibt eine für Abenteuerlustige empfehlenswerte, etwa 200 Kilometer lange Wanderung über die Gipfel des Balkans (Peaks of Balkan) im Prokletije-Gebirge (Albanische Alpen). Auf alten Hirten- und Handelswegen führt sie in rund zwei Wochen durch das Grenzgebirge von Montenegro, Kosovo und Albanien und birgt Natur pur und Stille. Der Wanderweg wurde u.a. von der deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ, ehemals GTZ) als Entwicklungshilfeprojekt konzipiert und angelegt bzw. ausgebaut. Der Weg sollte die spärlichen Bewohner einander näher bringen und ihnen in dieser abgelegenen Gegend ein bescheidenes Einkommen ermöglichen. Am Wegesrand bieten sie Übernachtungsmöglichkeiten im eigenen Haus und  landestypische Verpflegung an. Wir sind als Paar diesen Weg mit Informationen aus dem Internet (Achtung, meist kein Empfang) und dem Wanderführer von Jan Dohren gelaufen. Wer gut zu Fuß ist, 7-9 Stunden über Stock und Stein marschieren kann, steil auf und ab, ist dort richtig. Es ist weniger eine alpine Herausforderung als konditionell anspruchsvoll. Oft genug haben wir den Weg gesucht. Auch dafür sollte noch eine kleine, tägliche Kraftreserve zur Verfügung sein. Die vereinzelten anderen Wanderer, die wir unterwegs trafen, hatten die gleichen Probleme, sogar die mit GPS ausgestatteten. Nicht die Nerven verlieren, und sich mal wieder nach der Sonne und dem gesunden Menschenverstand orientieren, dieses Motto hat uns gut weiter geholfen. Wenn wir eine Unterkunft gefunden hatten (schlechte Beschilderung), klappte die Verständigung mit Händen und Füßen, bei den Jüngeren auch auf Englisch sehr gut. Manche sprachen hervorragend Deutsch. Sie hatten während der Kriege in Deutschland oder der Schweiz Asyl gefunden. Die freundlichen Dorfbewohner ließen in den Gesprächen unsere vorherigen Bedenken, vielleicht auch Vorurteile, dahin schmelzen. Die selten gewordene Ruhe in diesen Bergen (selbst in den Alpen bleibt man kaum noch von Hubschraubern verschont)  hat uns sehr entspannt. Die abwechslungsreiche, blühende Landschaft war etwas Besonderes, genauso wie der Weg selbst. Die Unterkünfte bei den Einheimischen sind einfach, aber sauber, die wenigen Hotelzimmer komfortabel. Die obligatorischen Genehmigungen, die Grenzen im Gebirge zu überschreiten, haben wir über eine albanische Reiseagentur (Im Internet gefunden) preiswert im Vorfeld besorgen lassen. Das war überhaupt kein Problem. Wir sind allerdings nie kontrolliert worden. Mit der gleichen Agentur haben wir uns auch am Flughafen in Pristina abholen und per Geländewagen an den Ausgangspunkt der Wanderung, nach Teth, bringen lassen. Das war, wie alles, nicht teuer und bequemer. Es sparte uns mehrfaches Umsteigen mit öffentlichen Verkehrsmitteln und eine Nacht vor Ort. Der Einstieg zur Wanderung ist auch in anderen, gut erreichbaren Orten wie Valbona, Plav, Vusanje und Peć möglich. Bei mehreren langen Etappen bietet es sich an, sie auf mehrere Tage aufzuteilen, wobei nicht immer Unterkünfte zur Verfügung stehen. Zelten ist möglich, Wasser gab es immer wieder an der Strecke, wenn nicht aus dem Fluss, dann zur Not an Viehgattern bzw. Unterständen. Wegzehrung bekamen wir von unseren Gastgebern mit, frisch gebackenes Brot, selbstgemachten Käse. Zum Frühstück gab es noch Eier oder Marmelade und Dickmilch dazu. Das, was die Leute gerade hatten. Vorher gebucht hatten wir die Unterkunft nur für die letzte Nacht. Das bedeutet aber auch, zumindest einmal, dass wir weiter laufen mussten als geplant, weil ein Hotel bereits ausgebucht war.
Wir waren begeistert von dieser Möglichkeit, die natur des Balkans kennen zu lernen. Wir kamen mit mehr Verständnis für die Menschen zurück, die von dort lieber zu uns wollen. Wer sich nicht alleine in die Pampa wagen möchte, es gibt auch organisierte Wandertouren über die Gipfel des Balkans. (z.B. DAV Summit u.a.)
Mehr dazu unter:
http://www.peaksofthebalkans.com
Ein weiterer individueller Reisebericht
http://www.tapir-store.de/blog/planet-erde-reiseberichte/29952.dreilaendereck-albanien-kosovo-montenegro-peaks-of-the-ba...