Treffpunkt glauben

Die Ikone des Glaubens – Das Bild des wahren Gottes

Die Rubljow-Ikone - die Ikone des Glaubens

Die berühmte Rubljow-Ikone von der „heiligen (alttestamentlichen) Dreifaltigkeit“, in Moskau in der Tretjakow-galerie real zu besichtigen, ist das Bild christlichen Glaubens. So ist Gott, wie hier bildlich – also im Gleichnis, anders geht es nicht- dargestellt. Rubljow hat den Besuch der drei Engel bei Abraham (1. Mose 18) zum Anlass genommen, um die „heilige Trinität“, das Geheimnis des einen einzigen und doch dreifaltigen, also vielfältigen, Gottes uns bildhaft vor Augen zu stellen. Das Geheimnis unseres Glaubens wird dabei wie folgt entfaltet: 1. Gott ist und bleibt einer und derselbe, wir glauben an einen Gott. Die drei Gesichter sind gleich, die drei Gestalten sind kaum von einander zu unterscheiden, sind drei und doch eins in ihrer gegenseitigen Zugewandtheit. So soll es auch unter uns Menschen zugehen. 2. Gott ist nicht einsam - nur für sich da, nur in sich ruhend, als „höchstes Sein“ vom Menschen getrennt, sondern lebt in einer lebendigen Gemeinschaft mit sich selbst. In Gott ist „Leben in Fülle“, so wie die drei Gestalten in liebender Vertrautheit einander zugewandt sind. Von einer „sozialen Trinität“ spricht daher auch Jürgen Moltmann. Es ist eine –darf man zugespitzt sagen- hoch-emotionale Trinität In Gott selbst ist das „Sozialprogramm“ der liebenden Zugewandtheit und Empathie eingeschrieben. Keine „Person“ ist dabei größer und mächtiger als die andere, alle drei sind gleich wichtig, gleich gewichtet, gleich verant-wortlich und stehen auch mit gleicher inneren Würde nebeneinander, nicht über- oder gar in Konkurrenz gegeneinander. Die „liebende Sozialität“ wahren menschlichen Lebens in unserer Welt und Gesellschaft ist hier (vor)abgebildet. So also soll es auch unter uns Menschen zugehen 3. Gott ist jung, ja jugendlich. Mit dem Klischee des „alten Mannes mit weißem Bart“ wird gründlich aufgeräumt. Gott ist immer wieder neu jung, jünger als wir selbst und wir können ihm immer wieder –besonders auch in unserem Alter- jugendlich begegnen, so wie die drei Jünglinge der Ikone sich gegenseitig liebend begegnen. Großartig! So also soll es auch unter uns Menschen zugehen. 4. In der Mitte des Bildes ist nicht „Gott, der Vater“ wie man annehmen sollte, sondern „Gott, der Sohn“, mit dem purpurnen Farbe der Hingabe und des Leidens (und dem Baum des Kreuzes im Hintergrund). Gott gibt sich in Gestalt des Sohnes liebend an und für diese Welt hin, das ist sein Wesen – und „Gott der Vater“ links mit dem sich dem Kreuz zuneigenden Berg und „Gott, der Geist“ mit der „festen Burg“ im Hintergrund umgeben und stützen Gott selbst, der sich für uns an diese Welt hingibt. So soll es auch unter uns zugehen. 5. Und vor allem schließlich. Das Bild/die Ikone ist nicht abgeschlossen in sich, so dass ich das Bild nur staunend oder bewundernd betrachten, gar verehren kann, sondern die Ikone ist unten offen nach vorn zum Betrachter hin. Kelch und Brot auf dem Tisch laden uns als Betrachter ein, dazu zu treten, sich in den „trinitarische Liebesgemeinschaft“ mit hinein nehmen zu lassen. Ich kann und darf im Glauben Anteil haben an der „innergöttlichen sozialen Liebesgemeinschaft“, kann mich selbst hinein nehmen lassen in diese Sozialgestalt unseres Gottes und so vom Betrachter zum Mitautor göttlicher Liebe werden. So also soll es auch unter uns Menschen zugehen. Welch ein symbolträchtiges Bild! Das Bild unseres Glaubens, die Ikone des wahren Gottes, der jugendlich frisch wie am ersten Schöpfungstag sich uns immer wieder neu auf vielfältige, Weise zuwendet – in heiliger Dreifaltigkeit, in lebendiger Einheit mit sich und mit uns.