Treffpunkt lieben

Herbst der Liebe

Alles Menschliche endet einmal, auch die Liebe

1) Ein Sommer voller Glut - nun wird er schwächer.
Sturm tobt durch leere Straßen, heult um Dächer -
Vernichtung, Ohnmacht, Trauer und Gewalt.
Die Nächte werden länger, es wird kalt.

2) Zugvögel auf dem langen Weg nach Süden.
Sie haben sich zu Flug und Flucht entschieden,
denn wenn sie bleiben, werden sie bedroht
von Schnee und Frost, von Hunger und von Tod.

3) Ahorn und Birken sind bereit zu sterben.
Ihr Alltagsgrün beginnt sich zu verfärben
in golden-gelbe, feuerrote Pracht
der Tod als Rausch im Angesicht der Nacht.

4) Ich selber, soll ich fliegen oder bleiben?
Verharren oder auch gen Süden treiben,
wo Wärme wartet, Leben und Gefühl,
wo alles Licht ist, Leichtigkeit und Spiel?

5) Ich bin ein Kranich mit gebrochnen Schwingen,
kann nicht mehr fliegen, kann vielleicht noch singen
den letzten sehnsuchtsvollen Sterbesang.
Dann wird es Winter, unerbittlich lang.

6) Dann wird mich Äußeres nicht mehr berühren,
dann werd ich weder Schmerz noch Liebe spüren.
Ich werde tot sein für die Welt und dich,
und du wirst frei sein, unabänderlich.

7) Noch einmal flammt mein Lied in tausend Farben.
Schon rinnt mein Blut aus unverheilten Narben.
Ein rauher Herbstwind klagt erschauernd hohl.
Geliebte, dir ein letztes Lebewohl.

Kommentare

Bild des Benutzers alma
©Bild des Benutzers alma

Hallo Horst, habe Ihnen vor ein paar Tagen schon geschrieben. Gibt es Sie noch? Meine Mail wartet auf Antwort. Gibt es Silesio noch. Es wäre zu wünschen. Denn: jeder Schmerz geht - irgendwie - vorbei.

Ich wünsche Ihnen schöne Feiertage. Bis bald? alma

Ja, silesio, das ist wahr. Und wem von uns Älteren wären Gedanken an die Endlichkeit des Lebens fremd. Dennoch finde ich Ihre tiefsinnigen Texte zu negativ und wenig ermutigend. Wenn ich nicht mehr fliegen kann, dann will ich doch noch fröhlich singen, aber ein Lied des Lebens und keinen "Sterbesang".
Trotzdem danke für Ihre Beiträge und ein herzlicher Gruß nach Stockholm!