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Kirchliche Trauung für gleichgeschlechtliche Paare

Endlich reagieren auch die Kirchen auf den Wunsch homosexueller Paare, ihre Beziehung genauso segnen zu lassen wie andere Paare auch.

Ulli Bock und Wolfgang Scholz setzen sich seit langem für die Anerkennung und Gleichberechtigung gleichgeschlechtlicher Paare ein. Über ihre persönlichen Erfahrungen berichten sie in einem Gespräch mit der Redakteurin Sabine Eigel in der Zeitschrift der badischen Landeskirche "ekiba":

Erkennt man schwule Männer schon von Weitem? Ulrich Bock und Wolfgang Scholz schütteln energisch mit dem Kopf. Von dieser Stammtischparole halten sie gar nichts. Der einzige Unterschied den sie sehen, ist, dass schwule Männer eben Männer lieben. Ansonsten seien die meisten weder ordentlicher als andere, noch Gourmet-Köche oder würden mit den Hüften schwingen und Federboas tragen.
Dass sie sich einmal in einen Mann verlieben würden, war ihnen lange nicht klar. Signale hätte es gegeben, aber sie wurden verdrängt, mutmaßen sie heute. Sie hätten einfach nicht in den gesellschaftlichen Entwurf gepasst. Außerdem tauchten die schwulen „Normalos“ damals  gar nicht öffentlich auf, erinnert sich Scholz. Abschreckend war auch, dass homosexuelle Männer als Pädophile verunglimpft wurden.  1989, als sich die beiden  beim Kirchentag in Berlin, kurz vor dem Fall der Mauer, kennenlernten, waren zusammenlebende Männer zumindest auf dem Land noch ungewöhnlich. Was als Interesse an einer ähnlichen Biografie begann, beide waren Familienväter, mündete in eine große Liebe, die sie 2004 zum Standesamt führte. Der Film „Jenseits von Afrika“, eine Liebesgeschichte gegen alle Konventionen, hatte Wolfgang Scholz motiviert, „so zu sein wie er ist.“
Der Sozialpädagoge und Ulrich Bock, der damals Gemeindepfarrer in Bielefeld war, heute wegen einer Lebertransplantation frühpensioniert, haben sich in der westfälischen Kirche segnen lassen. Klar würden sie das nochmal machen. Vor zwei Jahren haben sie ihre Silberhochzeit gefeiert. „Wir genießen unsere Ehe.“
Beiden liegt der evangelische Glaube am Herzen. „Wir sind von frühster Jugend an kirchlich sozialisiert. Kirche ist unser Lebensraum“, betont der 60jährige Ulrich Bock. Scholz ist Kirchenältester, Bock hält regelmäßig Gottesdienste und unterstützt  den Frauenkreis in Kehl-Neumühl , wo die beiden in Scholz Elternhaus wohnen. Dort arbeitet der Fußballfan (FC Freiburg) Scholz gerne im Garten, er geht einkaufen und kocht, „Arbeitsteilung nach Kompetenz und Gelüsten“, nennt das sein Partner. Der putzt lieber, statt in der Küche zu stehen. Außer seinem Spezialrezept Goudakäsesalat mit Ananas fabriziert er wenig Kulinarisches. Aber damit hat er die Herzen seiner Nachbarinnen im Sturm erobert. Tatsächlich rissen die Gespräche über die Zutaten beim 65. Geburtstag von Wolfgang Scholz Mutter vor etlichen Jahren Mauern ein. Seitdem ist auch sie beruhigt. Mit den „Männern“ kann man sich sehen lassen.
Das war nicht immer so. Anfangs hatte es das Paar schwer, auch in der eigenen Familie. Es versuchte Verständnis zu entwickeln für die Kritiker, geduldig auf sie einzugehen, Verletzungen zu ignorieren. Heute tritt es selbstbewusst auf und spricht gezielt Vorverurteilungen und Ablehnung an. In ihrem Dorf und der Gemeinde ist es inzwischen anerkannt. Das erwarten die beiden schon lange von ihrer Landeskirche. Lebenspartnerschaften kämen offiziell immer noch nicht vor. Und das, obwohl sie doch rechtlich der Ehe gleichgestellt seien.
Ihre tiefe Zuneigung und ihre Offenheit hat ihnen geholfen, alte Rollen abzulegen und neue zu entwickeln, ihren Kindern gerecht zu werden und ihr Zusammenleben so zu gestalten, dass es nirgendwo brodelt. „Wir haben keine Leichen im Keller“, darin stimmen sie überein. Ulrich Bock und Wolfgang Scholz wissen, dass ihre Beziehung nicht selbstverständlich ist und nehmen ihr Glück bewusst und dankbar wahr.