Treffpunkt trauern

Mutter wird alt

In das liebevolle Verhältnis von Töchtern zu ihrer alt gewordenen Mutter mischt sich immer stärker Trauer - über das Schwinden der Kräfte und die kürzer werdende Lebenszeit.

Drei meiner Freundinnen haben noch ihre Mütter. Eine der alten Damen lebt in einem Seniorenheim, die beiden anderen leben in der eigenen Wohnung. Seit einiger Zeit beherrscht das Thema „Mutter wird alt“ unsere Gespräche. Die alten Frauen sind bislang noch bei relativ guter Gesundheit und meistern ihren Haushalt allein. Aber bei jedem Besuch erleben die Töchter, dass ihre Mutter ein wenig gebrechlicher geworden ist. Die Besuche werden häufiger – das bedeutet jedes Mal eine Reise in eine andere Stadt -, die Sorgen größer. „Mutter will sich nicht helfen lassen“, erzählen meine Freundinnen teils gereizt, teils gerührt. Soll Mutter nicht besser zu uns ziehen? Die Mütter wollen das nicht, sie empfinden das Nachlassen ihrer Kräfte gar nicht so stark, wie die Töchter es zu sehen meinen. Wenn meine Freundinnen von ihren Mutter-Tochter-Begegnungen erzählen, ist bei ihnen eine ständig größer werdende Trauer zu spüren. Zunehmend fühlen sie sich für die Mutter verantwortlich, das Verhältnis kehre sich allmählich um, sagen sie: „Es ist fast wie mit den Kindern“, sagte eine, „ich muss jetzt für die Mutter sorgen.“ Es tue ihr weh, die zunehmende Hinfälligkeit der Mutter zu sehen. „Und es wird ja nicht besser. Kinder werden erwachsen, aber Mutter wird sterben, vielleicht erst in Jahren, aber es ist unausweichlich.“ Diese Trauer, gemischt aus Liebe, Mitleid, Angst vor möglichem Siechtum der Mutter und der Gewissheit künftigen Verlusts, empfinden die Töchter alle. Sie akzeptieren, dass es so ist - „damit müssen wir leben“, sagen sie - aber die Trauer wird sie begleiten, von jetzt an.

Kommentare

Meine Mutter hatte vor zwei Jahren einen Schlaganfall. Ich bin Krankenschwester, aber die eigene Mutter zu erleben, wie sie an Monitore angeschlossen wird, war für mich schwer. Sie hat sich Gott sei dank wieder erholt. Es blieb "nur" eine Lähmung des linken Armes und ein etwas labiler psychischer Gesundheitszustand. Gestern sahen wir in der Gemeinde einen Film von dem Besuch der EAB in Wien 2006 und es hat mich ganz schön berührt meine Mutter noch "gesund" im Film zu sehen.