Treffpunkt trauern

Thema:

Unvergessen

Wenn die Trauer Schuldgefühle unterhält

Der Tod eines Menschen an sich ist ein normales Ereignis. Ein jeder muss ihn irgendwann erleiden und niemand kommt darum herum.
Wenn ein solches Ereignis allerdings einen Menschen in nächster Nähe viel zu früh betrifft, mit dem man fast fünfzig Jahre lang gemeinsam alle Höhen genossen und auch manche Tiefen durchlitten hat, und mit dem man glaubte, selbst alle Voraussetzungen geschaffen zu haben, noch viele Pläne zu schmieden und auch erfüllen zu können, wird es schon zu einem besonders schmerzlichen Erlebnis.
Anlässlich der Beisetzung meiner lieben Ilse haben ihr über einhundert Trauergäste das Geleit auf dem Weg zu ihrer letzten Ruhestätte gegeben. In einer Vielzahl von Beileidsbekundungen haben in übereinstimmenden Worten viele der Trauergäste ihr Wirken gewürdigt. Dadurch wurde meine Gewissheit gefestigt, dass es ein besonderer Schatz war, den ich verloren habe.
Es sind nun fast eineinhalb Jahre vergangen, und es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht Erinnerungen an gemeinsame Tage wachgerufen werden und ich muss mit den Schuldgefühlen leben, dass ich als Arzt nicht rechtzeitig erkannt habe, dass sie sich zu den Vorsorgeuntersuchungen einer „Unärztin“ anvertraut hat, die verdächtige Befunde über Jahre zwar dokumentiert, aber nicht die Abklärung veranlasst und auch keine kollegiale Information gegeben hat.
Wie lange dauert es, bis ein solches Trauma einmal wieder aus dem vordergründigen Bewusstsein verschwindet?

Kommentare

Hallo Kalle,
Ihre Gedanken haben mich sehr berührt und ich kann sie auch wirklich nachvollziehen. Erst nach dem Tod meiner Oma habe ich erkannt, was sie alles im Leben für mich getan und auf wie vieles sie meinetwegen verzichtet hat. Ich habe ihr leider zu Lebzeiten nicht genug für alles gedankt und das meiste für selbstverständlich hingenommen. Das bedaure ich heute zutiefst - damit muss man immer wieder fertig werden. Das ist zeitweise sehr schwierig.
Herzliche Grüße
Lilli

Bild des Benutzers Margret
©Bild des Benutzers Margret

Hallo Kalle,

ich kann Ihre Gedanken gut nachvollziehen.

Mein Mann ist vor acht Jahren an einer Krebserkrankung gestorben und obwohl ich kein Mediziner bin, haben mich Schuldgefühle verfolgt. Es tauchte immer wieder die Frage auf, ob ich ihm die richtigen Vorschläge gemacht, den richtigen Beistand geleistet habe. Auch jetzt habe ich noch manchmal Momente, in denen ich damit hadere, dass ich die letzte Nacht, den letzten Morgen nicht als solchen erkannt und zu wenig Zeit mit ihm verbracht, zuwenig Trost gespendet habe.

Andererseits weiß ich, dass sich mein Mann in unserer Liebe geborgen gefühlt hat und mir nie irgendwelche Vorwürfe machen würde. Dadurch gelingt es mir meist, die negativen Gedanken zu verdrängen und die Erinnerungen an die vielen schönen Jahre mit ihm hervorzuholen, und an die Nähe, die wir in dem Jahr vor seinem Tod durch seine Erkrankung zu einander gefunden hatten.

Leider ist der Treffpunkt „Trauern“ im Moment noch nicht gut besetzt, da das Internetportal noch im Aufbau ist und die Benutzer noch nicht so zahlreich sind. Vielleicht müssen Sie sich einem der anderen Trauerforen im Internet zuwenden, um sich mit Menschen, die Gleiches erlebt haben, auszutauschen oder sich von Ihrem Seelsorger beraten lassen.

Mir hat der Kreis meiner verwitweten Freundinnen und Freunde sehr viel Halt gegeben.

Ich wünsche Ihnen viel Kraft, anzunehmen, was geschehen ist, und dass die Erinnerung an die vielen guten Jahre mit Ihrer Frau Sie tröstet.

Herzliche Grüße,
Margret