Treffpunkt leben

Wie definiert man Alter?

Tatsächliches und gefühltes Alter: Die Alten sind immer die Anderen - wie sehen Sie sich?

Es wurde nun von Forschern bestätigt: Menschen in der zweiten Lebenshälfte fühlen sich im Allgemeinen fünf bis zehn Jahre jünger, als sie tatsächlich sind. Bei Frauen ist dieses Gefühl ausgeprägter als bei Männern. Festgestellt wurde auch, dass der Unterschied zwischen dem tatsächlichen und dem „gefühlten“ Alter wird mit wachsendem chronologischen Alter immer größer: 90-jährige fühlen sich durchschnittlich 16 Jahre jünger, als sie sind. Sie schätzen sich im Aussehen 14 Jahre jünger ein.
Interessant ist, dass Altersforscher herausgefunden haben, dass das „subjektive“ Alter ein besserer Indikator für die physische und psychische Gesundheit älterer Menschen ist als das kalendarische Alter. Wer sich mit einem jüngeren Alter identifiziert, fühlt sich mit dem Leben generell zufriedener und hat eine insgesamt positivere Haltung zum Leben. Die Selbsteinschätzung „ich wirke und fühle mich jünger“ beschützt ältere Menschen davor, sich mit dem negativen Bild vom Alter identifizieren zu müssen. Diese kleine Lebenslüge erhöht das Selbstwertgefühl.
Kein Wunder also, dass man das Etikett ALT so lange wie möglich zurückweist! Das führt zu immer neuen sprachlichen Umschreibungen, die das Wort alt vermeiden sollen. Man spricht heute eher von „älteren“ als von alten Menschen oder von Seniorinnen und Senioren“ oder der „Altersgruppe 60 plus“.
Immer wieder wird gefragt: was machen die jungen Alten eigentlich mit all ihrer neu gewonnen Freizeit? Zwei Drittel suchen sich nach dem Ende ihrer Berufstätigkeit neue Aufgaben uns genießen hierbei die Freiwilligkeit ihres neuen Engagements. Einige stecken ihre ganze Energie in die Großelternrolle, andere finden ehrenamtliche Aufgaben in Vereinen, in der Kirchengemeinde, in Bürgerinitiativen… Ich kenne einige Freundinnen, die sich sogar noch einmal für ein Ehrenamt ausbilden ließen, z.B. als Seniortrainer oder für den Dialog der Generationen, und durch ihre vielen Erfolgserlebnisse sehr zufrieden sind. Einige bilden sich durch Studien an den Universitäten weiter.
Der Möglichkeiten gibt es viele, und sie werden rege genutzt.

Noch nie war eine Generation älterer Menschen vergleichsweise so gesund, körperlich so gut in Form und dabei so gesundheitsbewusst wie die jungen Alten von heute. Niemand liest so viele Ratgeber über Gesundheit und die richtige Ernährung wie die Generation 50 plus. Es ist die Lebensphase, in der man körperliche Einschränkungen verspürt, in der einem klar wird, dass Gesundheit und Leistungsfähigkeit nicht selbstverständlich sind. Dabei interessieren sich Frauen meist mehr als Männer für Fragen der richtigen und gesunden Lebensführung.

Fazit: Auch das Alter ist nicht mehr das, was es einmal war. „60 plus“ bedeutet heute eine ganz andere Lebensperspektive als vor 20 oder 30 Jahren

Ein Spruch von Albert Einstein passt gut zum Thema: Wichtig ist, dass man nicht aufhört zu fragen!

Kommentare

Liebe Mitstreiterin, leider ist dies schon mein zweiter Versuch, mich noch mal zur Thematik zu melden. Beim Speichern "flog" ich raus. Warum auch immer ...
Nun zum Thema: Die Aussage "Ich bin gern alt" einer sehr guten Bekannten ist weder ironisch noch zweideutig gemeint. Es ist viel mehr eine Seite unseres Lebens gemeint, die die neue "Freiheit" beleuchtet. Die Pflichten und Strapazen des Berufslebens sind vorbei, die Kinder haben (hoffentlich) ihren Platz im Leben gefunden, man ist gesund (hoffentlich), man kann mit dem Partner (oder ohne), mit Freunden und Bekannten viel Schönes gestalten und erleben. Auch empfindet man tiefer und nachhaltiger. Es ist auch wichtig, dass man es nicht "verpasst" hat, sich einen Freundeskreis zu schaffen, den man auch pflegen muss. Aber auch im Alter kann man viele neue Bekanntschaften schließen. Dies erlebe ich immer wieder bei uns Halbkugeln in MD und in der Zusammenarbeit mit den jungen Studenten beim Studium 50plus. Es gäbe sicher noch viel mehr zu schreiben, aber dies - und da bin ich mir sicher- kennen Sie, liebe mari, auch. Und ema hat Recht. Man ist nicht plötzlich alt, man altert ja ständig - von Geburt an. Es grüßt ganz herzlich Paula

Bild des Benutzers mari
©Bild des Benutzers mari

Dass jemand sagt, er/sie sei gern alt, finde ich doch sehr tröstlich. Wie ist das denn gemeint, liebe Paula, welche Erfahrungen stecken dahinter? Darüber würde ich gern noch etwas Näheres hören.
Liebe Grüße
mari

Genau so ist es, liebe Lilli. Wir aus der Altersgruppe 60 plus fühlen uns noch ziemlich „jung“, weil wir wahrscheinlich heute gesünder sind und länger bei Kräften bleiben als die Generationen vor uns. Und weil uns so viele Möglichkeiten offen stehen, uns aktiv am Leben zu beteiligen. Aber manchmal geht es mir auch so, wie Paula es beschreibt, und ich denke: „Hilfe, ich werde schon 65!“ Da ist es tröstlich zu lesen, dass auch „richtig“ alte Menschen sich jünger fühlen, als sie dem Lebensalter nach sind. Ich denke, man wächst ins Altern so hinein, wie man das ganze Leben über in andere Lebensabschnitte hineingewachsen ist, vom Kind zum Jugendlichen, zum jungen Erwachsenen und immer so weiter.
„Alter“ wird heute oft noch gleichgesetzt mit „krank und hilfsbedürftig“, aber ich denke, unsere Generation und erst recht die nachfolgenden Generationen werden dazu beitragen, dass sich diese Sichtweise ändert. „Die Alten sind immer die Anderen“ – in gewisser Hinsicht fühle ich das im Augenblick auch. Wir hoffen ja alle, dass uns Krankheit und Gebrechlichkeit erspart bleibt. Wenn sie uns aber doch ereilen – was irgendwann sicher so sein wird -, ist eben ein neuer Lebensabschnitt erreicht, in den wir uns dann genau so einleben müssen wie in frühere. Wie gut das gelingt, hängt sicher auch davon ab, wie wir unser Altern schon vorher gestalten: aktiv und aufgeschlossen bleiben, Freundschaften pflegen und den Sinn für alles Schöne im Leben bewahren, das möchte ich jedenfalls weiterhin üben.

Liebe Lilli, da hast Du sehr genau beschrieben, wie wir so empfinden. Gratulation für diesen Beitrag. Es ist schon so, sich einzugestehen, jetzt gehöre ich auch dazu (zu den Alten), dies fällt nicht so leicht. Vielleicht liegt es daran, dass man erst für sich eine neue "Identität" finden muss? Plötzlich ist so viel möglich - die Zeit, die Angebote sind da. Aber man erkennt auch , bzw. denkt darüber nach, dass das Leben eben doch nur endlich ist. Man wechselt von himmel-hoch-jauchzend zu zum tode-betrübt, gerade wenn in naher Umgebung diese "Schicksalsschläge" eintreten. Aber ich kenne auch jemanden, der sagt:"Ich bin gern alt". Auch da ist etwas dran. Freuen wir uns also auf unser Alter. Es grüßt Paula