Treffpunkt trauern

Zehn Erlaubnisse für Kinder, die trauern

Der Diplom Psychologe Roland Kachler hat für die Trauer mit Kindern zehn Erlaubnisse aufgeschrieben.

1. Du darfst so traurig sein, wie dir zumute ist. Manchmal ist das Gefühl, traurig zu sein, ganz stark, manchmal weniger stark. Auf jeden Fall ist deine Trauer ein ganz normales Gefühl.

2. Du darfst in deinem Schmerz weinen, schluchzen, schreien, stöhnen oder seufzen! Du darfst aber auch leise und still traurig sein. Oft tut es gut, die Trauer auszudrücken. Manchmal ist es aber auch gut, still für sich zu trauern. Du brauchst dich für nichts beim Trauern schämen.

3. Du darfst dich auch zurückziehen und dich verkriechen. Deshalb darfst du auch schweigen und nichts sagen.

4. Du darfst Angst haben. Oft haben wir Angst, dass wir noch einen anderen wichtigen Menschen verlieren können. Es tut dann gut, von dieser Angst zu erzählen. Sie werden dich nicht auslachen. Sie werden dich an sich drücken und dich festhalten.

5. Du darfst auch richtig wütend sein. Auch Wut gehört zur Trauer. Du merkst dann, dass es noch andere Gefühle als das Traurigsein gibt.

6. Du darfst den verstorbenen Menschen weiter lieben. Deshalb darfst du mit ihm reden, du darfst dich ihm nahe fühlen und dich immer wieder an ihn erinnern.

7. Du darfst dir auf deine Weise vorstellen, wo der Verstorbene jetzt ist und wie er für dich weiterlebt. Wichtig ist allein, dass deine Ideen für dich stimmen und dass sie dir helfen, mit dem Tod zurechtzukommen.

8. Du darfst mit anderen, am besten mit deinen Eltern, Freunden, deinen Lehrerinnen und Lehrern oder deiner Pfarrerin oder deinem Pfarrer alles bereden. Du kannst alles fragen und alles sagen! Alle Gefühle und Fragen sind richtig.

9. Du darfst alle Dinge wieder tun, die du auch vor dem Tod des Angehörigen gemacht hast. Du darfst also wieder ganz normal leben, in die Schule gehen, mit deinen Freundinnen und Freunden etwas unternehmen und deinen Hobbys nachgehen.

10. Du darfst auch wieder lachen, wenn dir danach ist. Du darfst dich wieder am Leben freuen, fröhlich sein und Blödsinn machen. Wenn du da unsicher bist, kannst du dich fragen, was der Verstorbene dir wünschen würde. Er würde dir wünschen, dass du fröhlich wirst, wenn du es wieder möchtest.
 

Aus :Roland Kachler, Sandra Reckers (Illustrationen): Wie ist das mit der Trauer?, Gabriel 2007, ISBN 978-3522301169, 144 Seiten, € 11,90, ab acht Jahren

Kommentare

Bild des Benutzers alma
©Bild des Benutzers alma

Dieser Text ist sicher auch für Erwachsene (abgewandelt) gültig. Ich habe viele Jahre ehrenamtlich bei Rentenanträgen geholfen und die Trauer (auch die Wur auf das Bürokratische) erlebt. Ehrenamt inzwischen aufgegeben, aber ich würde wenn ich noch wäre...... diesen Text und den Hinweis kopieren.

Grüße von alma an alle die Trost und Hilfe brauchen