Treffpunkt trauern

Zum Schluss die Entspannung

Nach Überzeugung des Mediziners und Sterbebegleiters Wolfgang Schwarz gibt es so etwas wie ein Leben nach dem Tod. „Sterbende sehen, wo sie hingehen“, sagte der Leiter des Hospizes für sterbenskranke Menschen St. Marianus in Bardowick bei Lüneburg im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

„Anders lässt sich die Entspanntheit in den letzten Lebenszügen nicht erklären“, erläuterte der Palliativmediziner, der in den vergangenen 20 Jahren Hunderte Menschen auf ihrem letzten Weg betreut hat: „Es muss so sein, dass wir an der Grenze sehen, was dann kommt - und das kann nichts Schlimmes sein.“

Das Verhalten der Sterbenden deute darauf hin, dass Menschen am Lebensende auch Erleichterung spürten. „Ich habe noch nie gesehen, dass ein Sterbender die Hand in die Decke krallt, weil er hierbleiben will.“ Die Menschen im Hospiz seien in einer Ausnahmesituation, sagte Schwarz. Zumeist müssten ihre Schmerzen gelindert und Ängste genommen werden.

„Hier erleben wir das Sterben in Problemfällen wie bei dem 30-Jährigen, der Kinder zurücklässt und sich um sein Leben betrogen fühlt.“ So ein Mensch sei traurig, wütend und alles andere als friedlich. Zum Schluss gebe es jedoch einen Wandel. „Dann geht der Blick in eine andere Richtung.“

Er erinnere sich an eine Krebspatientin, die dem Tode nahe vor sich hindämmerte und „Quälerei, Quälerei“ murmelte.

„Meine Kollegin sprach ihr zu: Sie haben es geschafft“, berichtete der promovierte Mediziner. „Da strahlte die Frau und sagte, dann ist jetzt Zeit für einen Sekt und eine Zigarette.“ Gemeinsam hätten sie eine Flasche Sekt getrunken, und wenig später sei die Frau gestorben.

Zur Betreuung im Hospiz gehöre neben der medizinischen Versorgung auch die Seelsorge, sagte der katholische Christ. Patienten fragten nach dem Sinn dessen, was sie erlebten. „Wir reden über das Unbegreifliche und darüber, wie jeder es mit seinen eigenen Erfahrungen zusammenbringen kann.“

Für den einen könne der christliche Glaube an die Auferstehung von den Toten hilfreich sein, für andere der Gedanke, in eine neue Energie oder ins Nirwana überzugehen. „Trost gibt auch, dass andere diesen Weg schon gemeistert haben.“

Ein Beitrag von Karen Miether (epd) http://www.landeskirche-hannovers.de/evlka-de/presse-und-medien/frontnews/2014/04/16